Sie kamen, sie hetzten, sie siegten (anscheinend). Vor einer Woche veröffentlichte die FDP Delmenhorst sowohl auf ihrer Facebook-Seite als auch in der lokalen Presse eine Einladung zu einem Informationsabend über den Islam, welcher am morgigen Mittwochabend im bekannten Delmenhorster Hotel Thomsen stattfinden sollte. Wohlgemerkt vor einer Woche.

Es ist doch sehr interessant zu sehen, dass erst die „Bild“ zwei Tage vor der eigentlich geplanten Veranstaltung schreiben muss, damit einige FDP-Politiker in Delmenhorst merken, was ihre Kollegen so machen. Mit anderen Worten: Die Kollegen Konrad, Heisig und Otto wissen doch nicht erst seit gestern von der Veranstaltung. Wieso jetzt der plötzliche Rückzieher? Sind sie sich jetzt ihrer urdemokratischen Gesinnung bewusst geworden? Das glaube ich zu ihren Gunsten nicht. Ich vermute eher, dass, wie in dem Artikel der „Bild“ von gestern bereits angedeutet, u.a. die Bremer FDP dazwischen gefunkt hat. Aber nicht nur die.

Auch wenn ich den FDP-Lokalpolitikern Konrad, Heisig und Otto nicht böse bin, weil ich mir sicher bin, dass man sie enorm unter Druck gesetzt hat, spricht es doch leider Bände, was vor allem Herr Heisig als Begründung von sich gab. Er soll u.a. von einer „extrem allein stehenden Meinung“ gesprochen haben, die Yavuz Özoguz vertrete.

Vor allem hier zeigt sich für mich, dass dieser Delmenhorster Vorfall ein Abbild dessen ist, was gerade in Deutschland und in der Welt geschieht. Denn man führe sich vor Augen, dass hier jemand als Referent abgelehnt wird, weil seine Meinung offenbar nicht dem Mainstream entspricht. Davon, dass seine Einstellung, wie der Vertreter der Delmenhorster jüdischen Gemeinde sprach „nicht unserem Wertesystem“ entspreche, reden wir noch nicht mal.

Wo ist die lautstark verteidigte Meinungsfreiheit plötzlich hin? Und deren Vertreter? Dürfen nur noch Meinungen auf öffentlichen Veranstaltungen geäußert werden, die mainstream sind? Ist das die Demokratie des 21. Jahrhunderts? Wo sind all die „Charlies“ in Delmenhorst plötzlich hin? Gilt Meinungsfreiheit nicht für alle? Nein, für die Vertreter der Meinungsfreiheit im Rahmen des sog. westlichen Wertesystems, gilt tatsächlich mehr denn je: Meinungsfreiheit nur für den Mainstream. Alle anderen sind entweder linke, rechte, islamistische oder andere Extremisten oder auch Verschwörungstheoretiker, zumeist auch bezeichnet als „Antisemiten“ oder „Israel-Hasser“, wobei beide Begriffe für den Mainstream einhergehen.

Die Absage dieser harmlosen Veranstaltung, die zur Information von interessierten Bürgern über den Islam, und vor allem der offenen Diskussion dienen sollte, ist mehr denn je eine klare Niederlage für die Meinungsfreiheit in Delmenhorst. Und Schuld hieran sind nicht die lokalen FDP-Politiker, die sich plötzlich gegen diese Veranstaltung aussprachen, und auch nicht die Inhaber des Hotel Thomsen, sondern der zionistische Axel-Springer-Verlag, der es wieder einmal geschafft hat mit hetzerischen Parolen und der damit verbundenen Ausübung von enormem Druck eine neue Möglichkeit zum offenen Dialog zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu verhindern. Für einen Mann wie Bruder Yavuz Özoguz aber ist die Absage alles andere als ein Ärgernis. Im Gegenteil, sie bestätigt seine Ansichten zu bestimmten politisch-gesellschaftlichen Themen, ohne dass er sich hierzu äußern musste.

Dieser vermeintliche Sieg des zionistischen Axel-Springer-Verlages wird hoffentlich nur von kurzer Dauer sein, denn um öffentliche Info-Veranstaltungen auszurichten, sind die Delmenhorster Muslime weder auf bestimmte Parteien noch auf bestimmte Hotels angewiesen.

Euer Ali

Ein Gedanke zu “Meinungsfreiheit? Nur für die Mehrheit (Zur Absage einer Info-Veranstaltung über den Islam in Delmenhorst)

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