Die aktuelle Lage im besetzten Palästina überrascht kaum, es war letztlich eine Frage der Zeit, bis der Vulkan ausbricht. Das Apartheidregime Israel konnte nicht ernsthaft davon ausgegangen sein, dass es über ein Jahrzehnt lang Gaza vom Rest der Welt isoliert, und die dortige Bevölkerung sich irgendwann damit abfindet. Nein, offenbar ist das Gegenteil geschehen. In Gaza ist eine neue Generation des Widerstands herangewachsen, welche sich nach und nach auf die heutigen Tage vorbereitete.

Das zionistische Regime konnte auch nicht ernsthaft davon ausgegangen sein, dass es im heiligen Monat Ramadan in Ostjerusalem Zwangsräumungen durchführt, um dort Siedler aus den USA unterzubringen, und die Palästinenser sich nicht dagegen wehren.

Weiter konnte Israel nicht ernsthaft erwartet haben, dass seine Sicherheitskräfte die heilige Al Aqsa-Moschee stürmen, und dieses schwereVerbrechen von den Palästinensern unbeantwortet bleibt.

Die hier genannten drei Faktoren sind drei von Etlichen weiteren, aus den letzten Jahren und Jahrzehnten, die man noch nennen könnte, um zu verstehen, weshalb die Palästinenser aktuell nicht nur „aufbegehren“, sondern eine Änderung der sogenannten Spielregeln des Konfliktes mit Israel herbeigeführt haben.

An dieser Stelle ist es notwendig mit einigen Mythen aufzuräumen, und die deutsche Öffentlichkeit über bestimmte Aspekte aufzuklären:

1. Mythos Muslime/Araber gegen Juden

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist kein religiöser Konflikt zwischen Muslimen und Juden. Auf palästinensischer Seite gibt es zwar nicht wenige Christen, dieser Aspekt ist jedoch für die Charakterisierung des Kampfes nicht entscheidend. Der Konflikt ist ausschließlich politischer Natur. Es ist ein Kampf zwischen Besatzern und Besetzten, zwischen Siedlern und Vertriebenen, zwischen illegalen Einwanderern, welche ein bewohntes Land ausschließlich für sich beanspruchen, und den dort seit Jahrhunderten lebenden Einheimischen. Der „Zufall“ wollte es, dass die eine Seite das Judentum für ihre verbrecherischen Ziele des Zionismus missbrauchen, und die andere Seite überwiegend mit der Kraft ihres islamischen Selbstbewusstseins Widerstand gegen den Besatzer leisten. Der Widerstand würde aber nicht anders ausfallen, wenn die Besatzer des Landes und der heiligen Stätten beispielsweise Evangelikale oder Buddhisten wären.

2. Mythos Antisemitismus

Aus 1. ergibt sich auch, dass die Ablehnung des Besatzungsregimes Israel nicht mit der Ablehnung des Judentums oder Juden gleichzusetzen ist. Lange vor der Gründung Israels und lange vor Aufkommen der zionistischen Bewegung haben in Palästina Juden friedlich Seite an Seite mit Muslimen und Christen gelebt. Das zionistische Regime ändert nichts an der toleranten und friedvollen Haltung des Islam gegenüber dem Judentum und gegen Juden, insbesondere außerhalb Palästinas, wie zum Beispiel in Europa. Juden in Europa haben das Recht auf Sicherheit wie alle anderen Menschen auch. Kein Verfechter der palästinensischen Sache hat irgendein Recht irgendwo auf der Welt Juden anzugreifen oder deren Religion zu beleidigen, nur weil einige Zionisten deren Religion für ihre Zwecke missbrauchen. Niemand hat das Recht Synagogen anzugreifen, oder gar jüdische Friedhöfe oder andere jüdische Einrichtungen zu schänden oder zu attackieren. Synagogen sind Gotteshäuser, und sind laut Qur’an wie Kirchen und andere Häuser, in denen Gott angebetet wird, geschützte Weihestätten.

3. Mythos Existenzrecht Israels

So etwas gibt es schlicht und ergreifend nicht. Diese Begrifflichkeit ist im Völkerrecht ein absolutes Novum. Es gibt das sogenannte Selbstbestimmungsrecht der Völker, richtig, aber dieses bezieht sich auf eine an einem Ort befindliche Gemeinschaft, die sich aufgrund ihrer Kulturgeschichte und als eine weitestgehend homogene Gruppe ansieht und hieraus eine Bevölkerung bildet, welche wiederum für sich wählt einen Staat zu bilden. Insofern trifft die hier genannte Definition eindeutig auf die in Palästina einheimischen Muslime, Christen und Juden zu, welcher dort Jahrhunderte lang lebten, aber in keinster Weise auf Menschen zu, welche aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Judentum einen Anspruch auf das Land erheben, aber außer der Religion nichts miteinander gemein haben. Sie sprechen die verschiedensten Sprachen, leben überall auf der Welt verteilt, sind in den unterschiedlichsten Milieus sozialisiert, auch das bereits seit Jahrhunderten, sind Teile anderer Bevölkerungen und ihnen zugehörig. Insofern wurde mit dem Begriff des Existenzrecht Israels in künstlicher Weise ein Volk geschaffen, welches in dieser Weise vorher nicht existent war. Und da der Begriff des Selbstbestimmungsrechts der Völker auf diese Gruppe nicht anwendbar war, nannte man es „Existenzrecht“. Als ob Juden in der gesamten Welt kein Recht hätten zu existieren.

4. Mythos Zwei-Staaten-Lösung

Diese Story begann spätestens mit dem sogenannten UNO-Teilungsbeschluss 1947. Ein Beschluss der Generalversammlung bestimmte die Teilung des Landes Palästina in einen sogenannten israelischen und einen palästinensischen Teil. Die Palästinenser lehnten diesen Beschluss zurecht ab. Die UNO hatte keinerlei Recht das Land zu teilen. Zudem sind Beschlüsse der UNO-Generalversammlung völkerrechtlich nicht bindend – weshalb sollte es in diesem Fall anders sein? Die Story ging weiter mit den Verträgen von Oslo. Letztlich aber wussten beide Seiten immer, dass diese Idee keinerlei ernsthafte Zukunft hat. Die Palästinenser wurden hingehalten, und die Zionisten, die sich darauf einließen, zum Beispiel jemand wie Itzhak Rabin, ließen sich lediglich aus strategischen Gründen darauf ein, und mussten das Einschlagen dieses „Friedenspfades“ mit ihrem Leben bezahlen. Strategisch deshalb, weil das Ziel Israels von Anfang an war, das gesamte Land für sich zu vereinnahmen, die klügeren unter ihnen aber dachten, dass es im Endeffekt keinen Unterschied macht, ob Israel im Jahr 1950 das gesamte Land besiedelt, oder im Jahr 2050. Man könne warten. Was zählt, ist das Erreichen des Endziels, und dass die Weltgemeinschaft hinter Israel steht, zumindest das Establishment. Wer heute noch von der Zwei-Staaten-Lösung spricht, benutzt eine Floskel, er weiß, dass es hierzu niemals kommen wird.

Um es zusammenzufassen:

Es ist kein ursprünglich religiöser Konflikt, jeglicher Antisemitismus bzw. Judenhass hat unter den Anhängern Palästinas keinerlei Platz, das Apartheidregime Israel hat als Besatzungsregime weder ein Existenzrecht, noch hat es ein Recht auf Selbstverteidigung (wurde oben übersprungen), noch gibt es eine wirkliche Aussicht auf die Realisierung der sogenannten Zwei-Staaten-Lösung.

Die Lösung, wie sie Imam Chamenei seit Jahren vorschlägt,wird anders aussehen:

  1. Es wird nur einen Staat geben
  2. Über dessen Form und Ausgestaltung entscheiden einzig und allein die 14 Millionen rechtmäßigen Einwohner des Landes, von denen rund die Hälfte noch in Palästina lebt, und die andere Hälfte als Flüchtlinge verstreut in der Welt
  3. Zu den Abstimmungsberechtigten gehören sowohl Muslime, als auch Christen, als auch Juden
  4. Zionistische Siedler müssen sich entweder in die Herrschaft des neuen Staates einordnen, oder das Land verlassen und schlicht dorthin zurückkehren, woher sie selbst bzw. ihre (Groß-)Eltern gekommen sind, zum Beispiel Russland, Polen, Litauen, Deutschland, Frankreich, USA.

Das wäre das Ende des Zionismus und der Beginn einer postzionistischen Welt. Der Untergang Israels leitet eine neue Ära ein, ein Zeitalter des friedlichen Zusammenlebens der Völker, welches bedingt durch die weltweiten Bestrebungen des Zionismus, welche nur und nur darauf bedacht waren, die Weltgemeinschaft zur Unterstützung Israels zu bewegen bzw. zu zwingen, bis dahin nicht möglich war. Im Zeitalter des Postzionismus wird es eine Aufarbeitung der zionistischen Verbrechen geben müssen, als auch eine Entzionifizierung. Sämtliche Unterstützer des Zionismus, welcher für ein solch unermessliches Leid in der Welt verantwortlich ist, müssen je nach Grad ihrer Beteiligung an den Verbrechen des Zionismus zur Verantwortung gezogen werden.

Das Zeitalter des Postzionismus wird vor allem für den Nahen Osten Ruhe und Frieden bringen. In Palästina werden Anhänger der göttlichen Religionen gleichberechtigt mit- und nebeneinander leben, ihre heiligen Stätten werden gegenseitig respektiert und geschützt sein. Al Quds hat das Potenzial die Hauptstadt der göttlichen Weltreligionen zu sein. Diese Chance ist aktuell greifbarer denn je, trotz allen Leids, das wir derzeit aufgrund der militärischen Angriffe gegen unschuldige palästinensische Zivilisten sehen.

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